Tischfußball oder Kicker, hannöversch Krökeln,
österreichisch Wuzeln, schweizerisch Töggelen oder Jöggelen
ist der Name einer Sportart, die auf einem Spielgerät gespielt wird, das häufig
in Gaststätten aufgestellt ist und bei dem man mit hölzernen, um die Mitte
drehbaren Fußballspielerfiguren an Griffstangen versucht, eine vorgegebene
Anzahl von Plastikbällen ins gegnerische Tor zu schießen (= kicken).
Neben dem Amüsement für Laienspieler hat sich seit vielen Jahren eine
regelrechte Spielerszene entwickelt, die Turniere in Ligen austragen.
Geschichte des
Tischfußballs
Man geht davon aus, dass der erste Tischfussballtisch (in Europa) von dem
Franzosen Lucien Rosengarten (* 1880, † 1976) entwickelt wurde. Lucien
Rosengarten war damals ein Mitarbeiter des Automobilherstellers Citroën. In
Anlehnung an diesen „Urtisch“ (bei dem die Stangen noch an den Kopfenden waren)
baute die schweizerische Firma „Kicker“, sesshaft in Genf, ihre Tische. Die
Tische waren in der Schweiz, in Deutschland und Belgien so beliebt, dass das
Wort „Kicker“ zum Synonym für Tischfussball wurde. Das erste Patent auf einen
Kickertisch sicherte sich der Spanier Alejandro Finisterreim Jahre 1937.
Eine andere Theorie besagt, dass Tischfussball dazu verwendet wurde, um die
Hand-Augenkoordination von verletzten Soldaten zu rehabilitieren.
Ein kurzer Überblick über
die wichtigsten Regeln
- Gespielt werden (meist) 2
Gewinnsätze bis 5.
- Die Mannschaft, gegen die
das letzte Tor erzielt wurde, erhält das Recht, den Ball einzuwerfen.
- Es ist erlaubt, den Ball
beim Einwurf zu beeinflussen.
- Es ist nicht erlaubt die
Figuren vor dem Schuss und nach dem Schuss um mehr als 360 Grad zu drehen.
- Übermäßige Gewalt (am
Tisch rütteln oder mit den Figuren anstoßen) ist ebenfalls nicht erlaubt.
- Beim Schuss müssen beide
Hände immer am Griff bleiben.
- Tore sind von allen Reihen
erlaubt, auch vom Mittelfeld.
- Hat ein Ball die Rückwand
des Tores berührt, so zählt dieses, auch wenn der Ball wieder auf das
Spielfeld zurück springt.
Varianten dieser
Regeln, wie sie in vielen Kneipen gespielt werden
Anzumerken ist, dass auf dem Kneipenniveau die Regeln regional und
international unterschiedlich variiert werden.
- Üblicherweise wird bis 6
gespielt, da die meisten Automaten 11 Bälle auswerfen, so dass 6 Tore
nicht mehr eingeholt werden können (maximales Ergebnis wäre also 6:5).
- Genauso ist es: Gespielt
wird immer bis 6 und es gibt auch nur einen Satz (auch wenn der Begriff
Satz beim Kicker so nicht verwendet wird). Beim Stand von 5:5 entscheidet
das nächste Tor (es gibt keine Zwei-Punkte-Abstand-Regel, wie z.B. beim
Tennis).
- Die Forder-Regel (gespielt
in jeder Kneipe, die was auf sich hält): Situation - ich möchte Kicker
spielen (zusammen mit einem Partner), aber es spielen bereits zwei Teams.
Lösung - man fordert, indem man den Einwurfpreis von neuen Bällen auf den
Kicker legt (in Deutschland in der Regel 1x 50 Cent-Stück) und somit zu
verstehen gibt, dass man fordert. Der Einwurfpreis hat nichts damit zu
tun, ob noch genug Bälle da sind oder nicht, es ist der Einsatz um
überhaupt ins Spiel eintreten zu dürfen
- Bei vielen Spielern sind
Torschüsse von der Mittelstange geächtet. Oft wird auch vereinbart, dass
diese nicht zählen (auch „italienisch“ genannt).
- Neben der Einwurfregel
wird auch oft mit Anspiel gespielt (auch „Abgabe“, „Anstoß“ oder „Fair
Play“ genannt). Dabei wird der Ball irgendwie ins Spiel gebracht, und dann
der Mannschaft, gegen die das Tor gefallen ist, auf die Mittelreihe oder
die Abwehr gespielt.
Die wichtigsten
Schüsse und Techniken
Die meisten Spieler versuchen den Ball zwischen Tischplatte und dem Fuß der
Figur (auch Puppe genannt) einzuklemmen (vor bzw. hinter der Figur) und ihn
dadurch unter Kontrolle zu bringen.
Diese Positionen (hinten bzw. vorne eingeklemmt) sind die Ausgangspunkte für
eine Vielzahl von Schüssen.
Der Pin-shot ist der gebräuchlichste Schuss. Der Ball wird mit der mittleren
Figur der Stürmerreihe (auch 3er-Reihe oder auch nur 3 genannt)
vorne oder hinten eingeklemmt und schnell nach Rechts oder Links gezogen, um am
Verteidiger vorbei zu kommen. Dabei beschreibt die Figur einen Bogen Rechts um
den Ball herum. Sobald der Ball auf einer Höhe mit der Puppe steht, lässt man
diese nach vorne schnellen und schießt damit den Ball geradeaus ins Tor. Geübte
Spieler sind in der Lage, diesen Schuss so schnell auszuführen, dass dem
Gegenspieler keine Zeit zum Reagieren bleibt. Durch Variation der Länge der
Zugbewegung (kurz bzw. lang ziehen) oder der Richtung (schieben statt ziehen)
wird diese Technik noch effizienter.
Manchmal liegt der Ball im toten Winkel.
- Sehr effizient ist der
Zieher oder auch Pull-shot. Dabei wird der Ball abgelegt, der Fuß
der Puppe neben den Ball gesetzt, und dann durch anschieben/ziehen in eine
Richtung beschleunigt. Die Schussbewegung selbst erfolgt durch das
Handgelenk. Auf anderen Tischen - wie z. B. dem amerikanischen Tornado
oder dem deutschen Leonhart (dabei die Variante mit den schmalen Füßen) -
ist der Zieher einer der beliebtesten Schüsse.
- Bandenschüsse sind
prinzipiell von jeder Position aus spielbar. Dabei wird der Ball von der
Figur sehr weit außen angespielt, was dazu führt, das der Ball schräg
beschleunigt wird. Trifft man den Ball im richtigen Winkel, wird er
zunächst gegen eine der Banden und anschließend ins gegnerische Tor
treffen. Am häufigsten wird diese Technik von der 2er-Stange des
Verteidigers aus eingesetzt.
- Abquetscher werden
wegen der Schussbahn auch „Bananen“ genannt. Für den Abquetscher wird der
Ball mit dem Fuß der Puppe hinten eingeklemmt (aber nicht so weit hinten
wie beim Pin-shot) und anschließend durch Druck auf den Ball, mit einer
gleichzeitigen seitlichen Bewegung, nach vorne gedrückt bzw gequetscht.
Durch die seitliche Bewegung bekommt der Ball einen Effet, der die
Schussbahn krümmt. Dieser Schuss ist eher ein Trickshot und wird auf
Turnieren nur selten gespielt.
- Schuss mit Überschlag
oder auch „Snake“ genannt ist ein anderer, bei guten Spielern sehr
beliebter Schuss. Dabei wird der Ball vorne eingeklemmt und durch eine
schnelle Seitwärtsbewegung an eine ungedeckte Position gebracht. Anstatt
nun die Figur direkt hinter den Ball zu bewegen, auszuholen und zu
schiessen, wird sie einfach nach hinten „überschlagen“. Das geht sehr viel
schneller. Allerdings ist es sehr wichtig, den Spieler nach dem
Ballkontakt abzustoppen, um die oben erwähnte 360 Grad Regel nicht zu
brechen. Dazu ist es nützlich, vor dem Schuss, den Griff genau an der
Handbeuge einzuklemmen, und dann die Hand (Affenklammer) schnell nach oben
zu ziehen. Dadurch führt die Stange genau eine Drehung durch.
Üblicherweise wird dieser Schuss als Jet, Snake Shot oder Monkey
Shot bezeichnet. Bei manchen Spielern genießt er einen ähnlich
schlechten Ruf wie Schüsse von der Mittelreihe. „Snake“ ist
bezeichnenderweise der Name des abgebrühten Profi-Kickers aus dem
Kult-Film Absolute Giganten von Sebastian Schipper.
Hilfsmittel
- Griffbänder sind
ein beliebtes Hilfsmittel um das Abrutschen der Hände von den Griffen zu
verhindern. Die eingesetzten Griffbänder sind die gleichen wie beim Tennis.
Sie werden um die Griffe gewickelt und am Ende mit einem Gummi fixiert.
- Fingerlinge auch Griffgummis
genannt, werden ebenfalls gerne benutzt um den Halt an den Griffen zu
verbessern. Dazu werden die Fingerlinge über die Griffe gestülpt.
- Handschuhe werden
häufig in Verbindung mit den Fingerlingen eingesetzt. Beliebt sind
insbesondere Golf- und Baseballhandschuhe.
- Silikonöl, Möbelpolitur
oder auch Silikonspray lässt die Stangen besser gleiten und erleichtert
dadurch die schnelle Ausführung der Schusstechniken.